Wandern ist was anderes

Latacunga war unsere Zwischenstation auf dem Weg zur Quilotoa Lagune. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen: wenig Touristen, viel Markttreiben. So konnte man Ziegenmilch beispielsweise direkt auf der Straße kaufen (die Ziege wird dann praktischerweise gleich vor Ort gemolken). Und wir probierten die köstlichen Kartoffelpfannkuchen, eine Art Plätzchen aus zerdrückten Kartoffeln, gefüllt mit Frühlingszwiebeln und Käse. 4 Stück kosten 1 Dollar! Zudem nutzten wir den Nachmittag zum “Hübsch” machen: Micha bekam einen Haarschnitt, zwei Hosen wanderten zum Schneider und ein Loch wurde in der Kameratasche geflickt.

Die Frauen in Latacunga und Umgebung sind wunderschön angezogen: Zu den knielangen Röcken mit Strümpfen tragen sie bezaubernde Hüte, meist mit einer Pfauenfeder verziert. Wir haben ein paar nach der traditionellen Bedeutung des Huts gefragt. Es gibt wohl keine, der Hut dient wohl vor allem als Schutz gegen die sehr starke Sonne. Uns viel auch auf, dass einige Kinder und Erwachsene sehr rote Wangen, teilweise schon lila-schwarz gefärbt, hatten. Dies scheint wohl auch an der Sonne zu liegen, Sonnencreme ist hier super teuer (selbst für uns), wir bezweifeln also, dass Einheimische sich diese leisten können. Hier muss man wirklich höllisch aufpassen und ohne LSF 50 trauen wir uns kaum aus dem Haus.

Voller Tatendrang und mit reichlich Sonnencreme gings am nächsten Morgen mit dem Bus vorbei an einer sagenhaften Berglandschaft zum Markt in Zumbahua, wo es zum Mittag lecker Fisch mit Salat und Yucca (1,5 Dollar) gab sowie Kartoffelpfannkuchen und Wackelpudding mit Eischaum (0,25 Dollar). Frisch gestärkt suchten wir uns eine Camioneta (Transportauto), um ins Dorf Quilotoa zu kommen. Da Regen aufzog, nahmen wir uns ein Privatauto, um die Fahrt nicht hinten auf der Ladefläche verbringen zu müssen. Ein Hostel war oben im Quilotoa-Dorf auch schnell gefunden und so wanderten wir runter zur Lagune und wieder hoch. Gar nicht so leicht, denn der Weg bestand vor allem aus weichem Sand. Mehr Infos zur Lagune hier.

Abends machten wir es uns im Hostel gemütlich bei Abendessen und Kaminfeuer. Dann begann unser nächtliches Abenteuer. Einer nach dem anderen der Familie verließ das Hostel und ward nie mehr gesehn, zurück blieben am Ende nur 4 Kinder zwischen 5 und 12. Diese begannen plötzlich die Eingangstür zu verriegeln und Bänke davor zu schieben. Auf unsere Nachfrage, ob es hier gefährlich sei, kam nur ein “Wir haben Angst, weil unsere Eltern nicht da sind”. Die waren wohl über Nacht auf einer Feier im benachbarten Dorf. Alles nichts so recht problematisch, bis wir in unserem Zimmer auch ein Feuer haben wollten, denn dort oben im Dorf ist es bitterkalt und wir hatten extra mehr bezahlt für den Ofen. Die 4 stapften fröhlich los, bekamen den Ofen aber leider nicht an. Nach einer gefühlt halben Flasche Spiritus und einem verräucherten Zimmer haben wir sie weggeschickt, schließlich wollten wir die Nacht noch überleben. Aber auch wir bekamen das Feuer nicht an, denn das Holz war feucht! Die 4 Musketiere kehrten aber mutig zurück mit der Glut aus dem anderen Ofen und schlussendlich wurde es mollig warm bei uns.

Morgens versuchten wir wieder in das Speisezimmer zu kommen für ein stärkendes Frühstück, allerdings waren die Eltern noch immer nicht wieder da und die Kids haben sich oben weiterhin verbarrikadiert. Ein wenig Überredungsversuche hat es schon gedauert bevor sie uns von der Eiseskälte erlösten und die Tür aufschlossen. Leider war oben kein Feuer und kein Frühstück. Micha nahm die Sache dann in die Hand und machte zumindest Tee und fand Bananen, so kamen wir und die anderen Hostelgäste erstmal über die Runden. Etwa eine Stunde später kamen ein paar Erwachsene angeschlichen (die Eltern waren nicht dabei) und es gab spärliches Frühstück mit etwas Ei, etwas Obst und 1 trockenem Brötchen pro Person. Bei der Nachfrage nach einem zweiten hieß es nur “Ist alles alle”. Ja klar, deswegen bekam die Gruppe, die ca. ne halbe Stunde später ins Hostel kam, auch Frühstück serviert mit Brötchen… Grummelnd und froh über unsere Müsliriegel in der Tasche (das Dorf ist so klein, man kann sich nicht einfach was woanders kaufen) stapften Micha und ich die Lagune entlang, wir wollten nämlich eine Wanderung ins Dorf Chugchilán machen, 4 Stunden sollte es dauern – 7 Stunden später waren wir da.

Alles begann mit einer verwirrenden Wegbeschreibung, die wir von einem Hostel hatten. So richtig im Klaren waren wir uns nicht, ob wir nun 3 Stunden links oder rechts um die Lagune sollten. So begann die Odysee, bei der wir ca. 2 Stunde auf dem Lagunenkrater umherirrten, gleichzeitig aber den wunderschönen Ausblick genießen konnten (hatten wir schon die Eiseskälte erwähnt?). Irgendwann fanden wir dann doch die “Straße”, die wir nehmen sollten. Es war nur keine Straße, sondern ein zerklüfteter Sandweg, auf dem nie im Leben ein Auto fahren könnte. Noch frohen Mutes ging es von 3.900 Meter auf 2.800 Meter, meist leider steil bergab und mehr auf dem Sand rutschend als gehend. Unser Highlight war eine halb kaputte Brücke über die eine Art Sandwasserfall lief, gelegentlich gemixt mit hüpfenden Steinsbrocken. Augen zu und rüber, denn wieder hochlaufen war auf keinen Fall eine Option für uns.

Am tiefsten Punkt unserer Tour mussten wir einen Fluss überqueren und “nur noch” kurz wieder hoch auf 3.200 Höhenmeter. In der Beschreibung stand für den Anstieg “easy”, das muss aber ein Übersetzungsfehler sein. Fluchend und schnaubend suchten wir Halt auf dem sandigen Weg. Wandern ist definitiv etwas anderes. Vollkommen fertig kamen wir in Chugchilán an, wo es erstmal eine heiße Dusche und einen Kakao zur Stärkung gab. Bei einer DVD machten wir es uns am Abend noch gemütlich, bevor am nächsten Morgen um halb 6 der Wecker klingelte. Der Nachteil an Chugchilán ist nämlich, dass man nur morgens um 4 Uhr mit dem Bus wegkommt, wir hatten aber Glück, dass der Hostelbesitzer morgens in ein anderes Dorf in der Nähe von Latacunga fuhr und uns ein Stück mitnahm. Von dort nahmen wir dann den Bus weiter nach Baños!

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