Reisen in Nepal

Am Ende einer solch langen Reise muss man auch nicht mehr alles sehen. Lange hatten wir überlegt Nepal eventuell auszulassen, weil wir eh kein mehrtägiges Trekken machen wollten (DAS Hauptziel eines jeden Touristen hier). Irgendwie wurde der Flug nach Kathmandu aber doch gebucht, denn ein Land ohne rechteckige Flagge konnten wir einfach nicht auslassen.

Und wann hat man schon einmal die Gelegenheit, 56,7 Jahre in die Zukunft zu reisen. Der offizielle Kalender hier heißt nämlich Vikram Sambat und so flogen wir in 2013 los und kamen im Jahr 2070 an.

Wir waren zwar noch nicht in Indien, fühlten uns aber ein wenig von Bildern und Erzählungen hier daran erinnert. Oder zumindest stellen wir uns so Indien ein wenig vor, nur dass Nepal wahrscheinlich viel viel ruhiger ist. Immerhin laufen die Frauen hier auch in schicken Saris rum. Die Männer hingegen haben wir oft mit einem speziellen Hut der Newari gesehen.

Auf der Straße laufen gemächlich Kühe entlang, deren Maul hin- und wieder im Müll etwas essbares sucht. Da steckt das ein oder andere Taxi von uns auch mal im Kuhstau. Hier gibt es halt mehr Verkehrsteilnehmer als bei uns. Ähnlich wie die Kühe haben es auch die Nepalesen nicht besonders eilig. Alles hat seine Zeit. Sie erinnern uns ein wenig an die Elefanten, die wir im Chitwan Nationalpark gesehen haben. Wahrscheinlich haben auch die Nepalesen eine Herzfrequenz von nur 25-30 Schlägen pro Minute. Mit ihrer Freundlichkeit machen sie aber alles wieder wett!

Auf unser Essen haben wir beispielsweise meist so eine Stunde gewartet. Einmal hatten wir sogar unser Kniffel Spiel dabei. Man stellt sich halt darauf ein und geht sehr viel früher essen als man Hunger hat. Dafür ist alles frisch geschnibbelt und gekocht. Und vor allem lecker. Unser Lieblingsessen ist auch gleichzeitig das Nationalgericht hier: Dal Bhat. “Dal” bedeutet Linsensuppe, “Bhat” Reis. Dazu werden meist noch Curry und ein wenig Gemuese gereicht. In einheimischen Lokalen kostet ein großer Teller um die 1,5 Euro – inklusive Nachschlag. Köstlich und sättigend waren auch die Momos, gefüllte Teigtaschen. Zudem gab es endlich mal wieder Käse zu essen, allerdings nicht aus Kuhmilch, sondern aus Yak (Grunzochsen)-Milch. Lecker! Ansonsten haben wir frische Chapatis genossen und unseren Durst mit Lassis und Tees gestillt. Ähnlich wie in Myanmar gibt es hier viele Teehäuser. Meist wird Milchtee (ein Chai Tee) serviert, unser Liebling war aber der “Ginger-Lemon-Honey” Tee. Wasser haben wir vorsichtshalber lieber aus abgepackten Flaschen getrunken, die Nepalesen hingegen trinken ihr Leitungswasser. In den Dörfern gibt es unzählige Gemeinschaftsbrunnen, wo sie sich meist auch waschen.

Für alle, die kein heimisches Essen mögen, ist auch gut gesorgt. Die Nepalesen sind in den Touri Hot-Spots auf Touristen eingestellt. Alle Speisekarten sind auf Englisch verfügbar und jeder bietet somit auch Pasta und Pizza an, sogar das kleinste Lokal. Wie diese die Pizza zubereiten, ist uns ein Rätsel. Immerhin ist fast nichts so unzuverlässig wie das nepalesische Stromnetz. Wir haben die Stromausfälle gar nicht mehr gezählt – selbst in Myanmar war das Netz stabiler. Fast jedes Hostel und Restaurant verfügt daher über einen Generator, deren knatternde Geräusche vor allem nachts überall zu hören sind.

In heimischen Lokalen kamen wir übrigens immer um die zusätzliche Regierungs-Steuer (knapp 13 Prozent) und die Service-Charge (10 Prozent) herum. Wenn man also nicht aufpasste, erhöhte sich die Rechnung in anderen Lokalen schnell um fast 25 Prozent.

Ansonsten ist Nepal ein günstiges Reiseland. Ein Doppelzimmer kostet etwa 6-8 Euro (mit eigenem Bad). Leider missbrauchen die Nepalesen oft das Wort “Resort” und “Lodge”, so dass einige Unterkünfte mehr Luxus vermuten lassen als dahinter steckt. Frühstück kostet um die 1,5 Euro (mit Tee, Eiern, Brot etc.) und ein großes Abendessen ist für 2 Euro zu haben.  Überrascht haben uns die Preise ausländischer Produkte, vor allem der deutschen. Hier zahlen wir weniger als in Deutschland selbst. Die große Nivea Creme haben wir für 1,5 Euro gesehen, ebenso die Deos und die Markenzahnbürsten lächelten uns für 0,35 Euro an. Den Grund kennen wir nicht genau, wir haben aber mal irgendwo gelesen, dass in Nepal keine Einfuhrsteuer gezahlt werden muss. Warum, ist auch egal, denn so konnten wir mal wieder Ritter Sport, Butterkekse und Salzstangen genießen.

Das hier gesparte Geld fordern die Nepalesen gern an anderer Stelle wieder ein. Manchmal war es etwas anstregend, dass nichts einen festen Preis hatte (außer die Restaurants). Alles andere wie Unterkünfte, Bustickets etc. ist verhandelbar. Natürlich werden Touristen da gern ausgenutzt und man kann mit ein wenig Hartnäckigkeit die Preise schnell senken – teilweise bis zu 50 Prozent. Dies ist aber auch anstrengend und jeden Tag hat man keine Lust auf diesen Kampf. Gelernt haben die Nepalesen wahrscheinlich bei ihrer Regierung. Schließlich wird bei uns Touristen gern kräftig zugelangt. Einheimische zahlten beim Durban Square in Kathmandu und im Chitwan Park nichts, Reisende aus den SAARC Ländern um die 200 Rupie und wir gleich 700 beim Durban Square (könnt Ihr euch vorstellen, 7 Euro für die Hamburger Innenstadt zu zahlen?) und 1500 (15 Euro) im Nationalpark. Letzterer wird sogar pro Tag kassiert!

Überrascht haben uns die Buchläden. Sehr gut sortiert – nach verschiedenen Sprachen und teilweise sogar alphabetisch – finden Traveller in den großen Städten viel Lesestoff. Allerdings werden teilweise saftige Preise für die gebrauchten Bücher verlangt. Am teuersten waren die Reiseführer. Für Nepal hatten wir in Kuala Lumpur keinen beim Büchertausch gefunden und in Nepal selbst wollten sie um die 15 Euro für einen gebrauchten Lonely Planet haben. Unsere Frage, ob es denn keine kopierten Bücher (der Renner in Laos, Vietnam und Co.) gäbe, zog überraschte Blicke nach sich. In Nepal gäbe es keine Kopien, sondern nur Originale, so die Auskunft.

Nun denn, so ging es ohne Reiseführer von A nach B. Unsere Aufzeichnungen aus Deutschland hatten wir ja bei uns. Der Transport war meist ganz gut. Es gibt sogenannte Touristenbusse und Local-Busse. Erstere bieten einen Hauch mehr Platz und halten nicht an jeder Ecke, sind also vorzuziehen. Ansonsten heißt es Knie einziehen sowie die schlechten Straßen und rasanten Fahrer ertragen. Gepäck wurde auf dem Dach gestapelt und wenns mal voll wurde, auch mit Menschen bepackt (Allerdings nicht mit Touristen). Gefahren wird hier übrigens auf der linken Seite! Nett war, dass mittags immer in einem Lokal angehalten wurde, wo man für 200 bis 300 Rupies (2-3 Euro) ein gutes Essen bekam und sogar groß genug war für uns beide. Innerhalb der Städte bewegten sich die Menschen mit Mofas, Rädern, Rischkas und Ochsenkarren. Von hier hat man auch den besten Blick auf die Müllberge. Der Dreck türmt sich an allen Ecken und Mülleimer findet man selten. Wobei wir auch bezweifeln, dass der gesammelte Müll recycelt wird.

Bei den günstigen Essenspreisen hätten wir ja gern das ein oder andere Kind eingeladen, aber diese haben natürlich nie vor den Restaurants gebettelt, sondern auf den Trekking Routen. Gegen Schokolade oder Geld haben sie sich für Fotos angeboten oder gleich nur die Hand ausgestreckt. Wir blieben hart. Einige verteilten Stifte oder Snacks, ob das aber wirklich hilft, ist fraglich. Ob nichts geben besser ist, leider auch.

Landschaftlich hat Nepal natürlich auch einiges zu bieten. Schliesslich strömen unzählige Touristen vor allem für die Gebirge hierher. Neben dem Mount Everest (höchster Punkt der Erde mit 8848 Metern) stehen hier auch gleich noch sieben weitere Achttausender. Zu Nepal gehören also 8 der 10 höchsten Berge der Welt. Nach Tibet ist Nepal sogar das höchstgelegene Land der Welt, rund 40 Prozent liegen über 3000 Meter! Aber auch die feuchtwarme Terai Region lockt Besucher an. Schließlich kann man hier Tigern, Nashörnern und Elefanten begegnen.

Unser Fazit: Nepal lohnt sich als Reiseland!

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