Schlemmend und Metro fahrend durch Neu-Delhi

Von Agra ging es im Zug nach Neu-Delhi. Die Hauptstadt des Landes liegt in der Metropolregion Delhi, wo knapp 22 Millionen Menschen leben. Bevölkerungstechnisch die größte Stadt unserer Reise.

Vorher hatten wir einige negative Meinungen von anderen Reisenden und auch Indern zur Metropole gehört. Wir machten uns selbst ein Bild und waren angenehm überrascht. Lag es vielleicht daran, dass wir nicht in einem dieser abgerockten Hostels mit mieser Bewertung untergekommen sind, sondern bei unserer Freundin Paula im netten Stadtteil Saket für vier Tage ein Zuhause bekommen haben?
Wir genossen Metro fahren. Der Stolz der Einwohner. Sauber, im Minuten-Takt unterwegs, angenehm klimatisiert (kein Gefrierfach wie z.B. in Singapur oder Kuala Lumpur), günstig, Sicherheitscheck an allen Stationen, Ansagen und Anzeigen auf Englisch und keine Schlepper, die dir den Laden ihres Onkels zeigen wollen.

Wir genossen auf Shopping-Tour zu gehen. In den letzten 11 Monaten hatten wir auf den Kauf von Touri-Krams, Schnickschnack und Mitbringsel fast vollends verzichtet. Das wollen und wollten wir jetzt in Indien nachholen. In Neu-Delhi schlenderten wir somit von Markt zu Markt, zu kleinen Boutiquen und staatlichen Kaufhäusern. Am Ende des Tages kehrten wir jedoch an allen drei Tagen mit leeren Tüten zurück nach Hause. Viel zu teuer, zu schlechte Qualität, zu indisch, zu Hause stellt man sich es sowieso nicht hin.

Wir genossen das Essen. Paula zeigte uns ein, zwei nette Ecken in der Nähe ihrer Wohnung. Ein Segen. Einfaches indisches Essen in einem “Hole-in-the-rock-Imbiss” – ein Tresen mit zwei Herdplatten und dahinter ein Tisch mit zwei Bänken für die Gäste. 25 Rupien (0,35 Euro) für ein Thali mit Linsensuppe, einem Curry und Chapatis zum satt werden. Wir kamen gleich drei weitere Male vorbei. Im Karim’s hatten wir das leckerste Naan (eine Art Fladenbrot) der Welt. Im Haldiram’s snackten wir uns durch indische Süßigkeiten. Hab ich schon Mangosaft erwähnt? 100% Saft.

Wir machten zudem eine Stadtführung der anderen Art. Die Tour übernahmen ehemalige Straßenkinder, die mit Hilfe der Stiftung Salaam Baalak der Strasse “entkommen” sind. Sie zeigten uns die Plätze, an denen sie ihr Geld für den Tag verdienten, bettelten, Sachen verkauften, abhingen und nach ihrem Traum suchten. Viele der Straßenkinder entfliehen häuslicher Gewalt, Streit in der Familie oder der Armut. Andere suchen den Traum von Bollywood oder der großen Stadt. Letztlich kommen viele der Kinder mit Arbeit in Hotels oder Kaffeehäusern, mit Sammeln von Plastikflaschen (1 kg bringt 30 Rupien, etwa 0,40 Euro), dem Verkauf von Blumen, Snacks und Ballons oder Schuhputzen über die Runden, aber nur die Jungen. Mädchen enden leider oft in der Prostitution bzw. werden so jung verheiratet, dass sie gar nicht weglaufen. Viele Kinder sind abhängig von Klebstoff – die günstigste Droge. Und sie lieben fast alle Bollywood-Filme. Während der Tour wurde außerdem die Arbeit der Stiftung an Kontaktpunkten für Kinder und im Waisenhaus gezeigt. Ein bewegende Tour, zumal man davon ausgeht, dass in Indien mehr als eine halbe Million Kinder auf der Straße leben.

Sonst ließen wir die Touristen-Spots unbemerkt aus. An der Jama Masjid Moschee verbrannten wir uns kurz die Füße an den feuerheißen Bodenfliesen. Stattdessen genossen wir das viele Grün der Stadt. Klettern im Park um die Ecke. Schlendern durchs Hauz Khas Dorf, eine Art Hackesche Höfe kombiniert mit Parklandschaft und Gebäuden aus dem 14. Jahrhundert.

Ja, es war immer noch heißer. 44 Grad im Schnitt. Ja, weiterhin viele Stromausfälle, auch in der Hauptstadt. Unsere Waschmaschine hat mit etwa fünf Stromausfällen 4 Stunden benötigt. Danke Paula für 4 Tage Heimatgefühl.

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