Myanmar ist wunderbar: Fazit

Myanmar, du bist wunderbar. Gerne haben wir uns bei dir aufgehalten. Deine Bevölkerung hat uns jeden Tag versüsst. “Mingulaba” und “Hello” riefen sie uns entgegen und spätestens ab Tag 3 fühlten wir uns wie Popstars oder wie die Queen, denn stets hatten wir die Hand im Winke-Modus. Keinen von ihnen wollten wir enttäuschen. Zudem war jeder von ihnen so hilfsbereit und ehrlich, dass es uns beschämen würde, wenn diese lieben Menschen unser Land sehen könnten.

Gott sei Dank – oder sollten wir lieber Buddha sei Dank sagen – hat die westliche Welt das Land noch nicht überrollt. Auch, wenn die Anzahl der Touristen stetig steigt. Allein 2012 gab es über 1 Million Leute, die dich sehen wollten. Tendenz stark ansteigend.

Uns graut vor dem Tag, an dem Starbucks und KFC (Baupläne liegen schon vor) ihre Pforten öffnen und du langsam den Geschmack von Mohinga, Shan-Nudeln und Naan Brot vergisst. Vielleicht kommen dann auch weniger Leute in deine wunderbaren Orte der Inspiration: die Teehäuser. Welch Konzept. Die Leute verharren mit dem kostenlos angebotenen Tee dort stundenlang und es stört keinen. Es wird geredet – über das Fernsehen und Politik. Es ist eine tolle Atmosphäre, in der wir uns sehr wohl gefühlt haben.

Uns graut vor dem Tag, an dem Männer und Frauen nicht mehr ihre Longyis tragen werden. Mit Eleganz und Würde tragen sie ihre langen Röcke in den verschiedenen Farben und Drucken. Die Männer Version (stets kariert) hat uns übrigens, liebes Myanmar, am besten gefallen. Praktisch sind deine Longyis auch zum Baden. Man kann damit nicht nur dezent schwimmen, sondern den Schlauchrock auch gleich als Umkleidekabine nutzen. Sehr schlau.

Uns graut vor dem Tag, an dem deine Gemeinschaftswasserstationen aus den Orten verschwinden, weil vielleicht eine westliche Organisation der Regierung sagt, dass die Gemeinschaftsbecher unhygienisch sind.

Uns graut vor dem Tag, an dem wir im Restaurant nicht mehr das “Kussgeräusch” hören, mit dem deine Bevölkerung die Kellner herbeiruft, sondern “May I have the bill please” sagen wird.

Aber wir freuen uns auch, dass du, liebes Myanmar, nun Zugang zur westlichen Welt hast.

Wir freuen uns, dass immer mehr deiner Leute, die Möglichkeit haben, unzensiert im Internet zu zurfen.

Wir freuen uns mit dir, dass kostengünstige SIM Karten ausgegeben werden. Jetzt sind sie für 1.500 Kyat (1,50 Euro) gegenüber den 200 US-Dollar vorher auch für die Ärmeren erschwinglich. Ein wenig Wehmut schwingt in dieser Freude mit, denn mit den vielen Handys verschwinden vielleicht nach und nach auch deine unzähligen “Telefonzellen” auf der Straße. Abends mit Kerzen beleuchtet sahen die Telefontische richtig romantisch aus und deine Menschen hatten hier eine Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen.

Wir freuen uns mit dir, wenn deine Bewohner vielleicht irgendwann 24 Stunden Strom haben und sich ohne Stromausfälle auf das Netz verlassen können. Vielleicht können sie dann auch aufhören, die Wälder abzuholzen, deren Holz im Moment noch so wichtig ist zum Kochen und Heizen.

Wir freuen uns mit dir, wenn deine Bewohner irgendwann lernen, dass Müll nicht überall hingeworfen werden kann, sondern sie dich und deine Flüsse und Seen zerstören und damit ihren eigenen Lebensraum.

Wir freuen uns mit dir, wenn es ab jetzt endlich erlaubt ist, private Tageszeitungen auf den Markt zu bringen. Dies war seit 1964 nicht der Fall und während es in Deutschland das Zeitungssterben gibt, werden jetzt verschiedene Stimmen ihre Meinung öffentlich darstellen können.

Wir freuen uns für uns, wenn wir vielleicht irgendwann nicht mehr das Rotzgeräusch hören müssen. Daran können wir uns einfach nicht gewöhnen, vor allem nicht, dass es nicht nur auf der Straße praktiziert wird, sondern auch in Hostels, Restaurants und Tempeln. Aber wenn deine Menschen nicht mehr auf die Straße rotzen, dann verschwinden nach und nach die markanten roten Bethel-Flecken. Tolle Muster haben sich da mit der Zeit gebildet und irgendwann denkt man auch nicht mehr, dass dort ein Unfall stattgefunden hat und Menschen verblutet sind.

Neben den kuriosen roten Flecken, entdeckten wir noch etwas merkwürdiges. Die Mönche waren anders. Sie fragten offen nach Geld, hantierten mit iPhones, trugen Sonnenbrillen, aßen nach 12 Uhr mittags und berührten Frauen. Was ist hier los? Der Reiseführer nannte sie liebevoll “Fake Mönche”, welches uns von einem Einheimischen auch bestätigt wurde. Schade, liebes Myanmar. Ist dies ein erster Wandel zum westlichen Lebensstil? Auch verwundert haben uns die Spenden in den Tempeln. Warum braucht der Buddhismus so viel Geld? Mehrere Kisten standen jeweils in den Pagoden verstreut, dagegen sieht der Klingelbeutel zu Hause arm aus wie eine Kirchenmaus. Und, auch wenn wir nicht viel über den Buddhismus wissen, hatten wir ihn doch als eine friedfertige Religion eingestuft. Die religiösen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Buddhisten mit vielen Toten und Verletzten, die auch stattfanden, als wir im Land waren, ließen uns doch verwundert aufhorchen.

Liebes Myanmar, wir werden in die Welt rufen, wie schön du bist. Kommt alle her, es wird immer einfacher, hier zu reisen. Zwar kommt man auf dem Landweg kaum oder nur sehr erschwert hierher, aber Flugreisen ab Kuala Lumpur und Bangkok sind schnell und erschwinglich und jeden Tag kommt gefühlt eine neue Verbindung hinzu. Inzwischen kann man fast überall Geld abheben und ab Ende des Jahres soll es sogar Visa on Arrival geben, was die Einreise erheblich vereinfachen würde.

Kommt alle her in dieses schöne Land. Lernt die großartigen Menschen und ihre freudige Aufbruchstimmung in ein neues Zeitalter kennen. Lernt das Essen lieben und freut euch, wenn ihr überall angesprochen und angelächelt werdet. Kommt alle her in dieses schöne Land, solange es so ist, wie es ist.

 

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2 Responses to Myanmar ist wunderbar: Fazit

  1. Seeloewe says:

    Danke.

  2. M-Le says:

    Was für ein gelungener Erfahrungsbericht zu Myanmar. Er ist gut geschrieben, zeugt von Respekt Land und Leuten gegenüber und ist dennoch nicht unkritisch. Wir sagen Danke.

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