Micha allein in Bagan

Während Eike im Hostel ihre Erkältung kurierte, erkundete ich die vielen Tempel von Bagan alleine mit dem Rad und zu Fuß. Am ersten Tag griff ich auf das Rad zurück. In der Nachmittagssonne fuhr ich von Tempel zu Tempel. Gegen Abend wollte ich dann mal schauen, wo der beste Platz für den Sonnenuntergang ist, möglichst ohne viele andere Touristen. Das klappte leider nur bedingt.

Am Taung Guni Tempel war die Aussicht eigentlich hervorragend und als ich da war, waren auch kaum Touristen da. Als ich den Tempel aber verließ, um weiter zu schauen, kamen die Busladungen schaarenweise. Ich wunderte mich schon, warum so viele Kinder und Maler ihre Postkarten und Bilder aufgebaut hatten. Das war für den Sonnenuntergangsansturm der Touristen. Lustigerweise traf ich dort auch den kleinen Jungen, der uns am Vormittag nach unserer Ballonfahrt 10 Postkarten für 2.000 Kyat (etwa 2 Euro) verkauft hatte. Nun bot er die fast identischen Postkarten französischen Touristen an. “Good price, 1.000 Kyat”, sagte er. Ich fragte ihn, warum wir am Morgen doppelt so viel bezahlen mussten. Seine Antwort: “Morning price more expensive!” Egal, er hat es verdient mit seine selbstgemalten Kunstwerken.

Auf der Suche nach dem schönen Sonnenuntergang rutschte ich mit meinem Cityrad durch die Sandwege, die die einzelnen Tempel miteinander verbinden. Warum vermieten die Burmesen eigentlich keine Mountainbikes in Bagan? So wurde mein Fahrradausflug eher zu einem Schieben-Fahren-Schieben-Mix. Zum Abschluss strampelte ich zum Pyathada Tempel. Die Sonne hatte sich aber kurz bevor ich ankam verabschiedet. Dennoch wollte ich noch schnell hoch auf den Tempel. Ich ahnte schon Schlimmes, bei etwa 15 Bussen und 20 Kutschen vorm Tempel. Als ich mich durch den kleinen Aufstieg (romantisch mit Kerzen beleuchtet) durch den wieder nach unten kommenden Gegenverkehr presste war nichts mehr beeindruckendes dort oben zu sehen, außer einer 200 Meter langen Schlange von Menschen, um den Tempel wieder ab zu steigen. Das war nicht gut. Ich mit meinem Cityrad durch die Sandwege im Tempelnirgendwo, ausgestattet mit einer Stirnlampe. Es wurde dunkel, nach einer halbe Stunde schieben, fahren, schieben kam ich endlich wieder an die geteerte Hauptstraße. Dann fühlte es sich so an, als würde ich auf der Felge fahren. Reifen platt. Wie lange ich wohl schon durch den Sand mit dem platten Reifen bin? Bis zum Hostel in Nyaung-U war es von hier mit Rad mindestens noch 20 Minuten, zu Fuß wollte ich gar nicht drüber nachdenken. Durchs Dunkel des Abends schob ich erst mal, weit und breit keine Menschen. Daumen raus, Stirnlampe auf Disco-Light (= blinkend). Nach 10 Minuten fand ich auf einem Motorroller eines netten Burmesen Platz, rechts das Rad haltend neben uns herfahrend ging es in unser Hostel-Dorf.

Am nächsten Tag hatte ich keine Lust auf Fahrrad durch Sand schieben. Ich hab also den Pickup-Truck nach Old Bagan genommen, um dort noch einige Tempel anzuschauen. Irgendwann hatte ich dann genug von alten Steinen und wollte einen Truck zurück nach Nyaung-U nehmen. Daumen raus und schon hielt ein Truck, den ich als Pickup-Truck, der zwischen den Dörfern pendelt, wahrnahm. Es war jedoch kein Pendel-Truck sondern ein Truck mit einer Großfamilie auf Tempel-Ausflug. Sechs Tempelstationen (fürs Beten), viel Hand und Fuss Kommunikation, viel Grinsen sowie vielen gemeinsamen Fotos später kam ich dann irgendwann zurück ins Hostel. Und das ganz umsonst!

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One Response to Micha allein in Bagan

  1. strandläüfer says:

    symphatische anhalterfamilie.

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