Isla del Dinero – Abzocke in Bolivien

Copacabana machte seinem Namen alle Ehre: Tagsüber knallte die Sonne vom Himmel und wir genossen es am Hafen zu sitzen und durchs Dorf zu bummeln. Dabei musste man höllisch aufpassen, denn die Sonne scheint hier noch stärker und so muss die Sonnencreme (LSF 50) fast stündlich nachgetragen werden. Abends fällt die Temperatur deutlich, so dass ich mir am ersten Tag noch schnell Wollstulpen für Hände und Beine besorgt hab.

Nun aber zu der Abzocke: Am zweiten Tag machten wir uns auf zu der ISLA DEL SOL. Auf den knapp 14 Quadratkilometern soll der Inka Mythologioe zufolge der Sonnengott Inti seinen Sohn vom Himmel herabgelassen haben. Hier begann also das Inka Imperium. Wenn der Sonnengott wüsste, was die knapp 2.000 Bewohner mit der Insel gemacht haben, würde er denen aber die Sonne für immer entziehen.

Wir fuhren mit dem Schiff (2 Stunden für 1 Kilometer) in den Norden der Insel und wollten in den Süden laufen. Im Norden sollten wir 10 Bolivianos Eintritt für die Inka Ruinen zahlen. Auch, wenn wir diese nicht zwingend sehen wollten, fanden wir den Preis ok und zahlten. Immer weiter gings dann in den Süden, bis ich eine Art Holztor von Weitem war. Dieses stand auf dem höchsten Punkt der Insel, immerhin 4.075 Meter hoch. Hier der Dialog dazu:

Eike: Schau ein Tor!
Micha: Was das wohl sein mag?
Eike: Da dies eine Inka Insel ist, ist das bestimmt das Tor zur Erleuchtung. Da wird die Seele gereinigt oder so.
Micha: Ja, da bin ich aber mal gespannt auf die Reinigung.

5 Minuten später haben wir uns den Berg hoch gequält und kamen immer dichter ans Tor drr Erleuchtung.

Eike: Euleteria? Wieso steht da Euleteria auf dem Tor?

(Anmerkung der Redaktion: Im Spanischen wird an ein Substantiv meist die Endung “eria” angehaengt, dann wird daraus ein Laden, der diese Sache verkauft. Beispiel: Zapatos bedeutet Schuhe, Zapateria ist ein Schuhladen)

Micha: Verkaufen die Eulen?
Eike: Wo ist die Erleuchtung, wo der Spiegel?
Micha: Da steht Boleteria, nicht Euleteria!

Und Tatsache: Die wollten Geld von uns. Dieses Mal 15 Bolivianos. Das Ticket aus dem Norden hatte ab dem angeblichen Punkt der Erleuchtung keinerlei Gültigkeit. Wir sind Deutsche, wir wurden sauer. Für Ruinen zu zahlen, war noch ok, hier sollten wir aber für die Nutzung des Weges zahlen. Zum Glück koennen wir auch auf Spanisch schimpfen. Nach “In La Paz müssen wir auch nicht für die Nutzung der Wege zahlen”, über “So behandelt man keine Touristen” bis hin zu “Wir werden dafür Sorgen, dass eure Kinder keine Touristen mehr haben” ließen wir alles raus, was ging. Irgendwann meinten sie, wir könnten ja Studenten sein und wir zahlten nur 5 Bolivianos. Ein Kompromis. Ihnen fiel dann noch ein, dass das Geld auch für die Reinigung der Wege sei. Ach so, deswegen liegt da so viel Müll? Ein paar Meter weiter holte ich sauer den Müll raus, denn ich vorher gutherzig eingesammelt hab und pfefferte ihn wieder auf den Weg.

Fast im Süden angekommen, kam eine neue Boleteria. Unser letzter Kontrollpunkt versprach uns doch, wir könnten bis zum Hafen durchgehen! Aber nein, nur um zum Boot zu kommen, müsste man wieder zahlen. 5 Bolivianos waren da schon fast ein Schnäppchen. Es ging uns aber ums Prinzip. Zum einen muss das Bootsunternehmen dies vorher sagen, zum anderen kann ja nicht jeder willkürlich ein Schild aufstellen und Geld verlangen. Zumal der im Norden auch schon meinte, das Ticket wär für die ganze Insel. Beim 3. Kontrollpunkt waren wir also schon auf 180. Eigentlich wollten wir auf der Insel schlafen. Wir fragten sie also, ob sie lieber 2 Touristen hätten, die hier Geld für Uebernachtung und Essen lassen oder die 5 Bolivianos Eintritt, damit wir zum Hafen gehen und unser Geld in Copacabana ausgeben können. Sie wollten lieber die 5 Bolivianos statt der 100 und so stapften wir Richtung Boot.

Die Isla del Sol empfehlen wir also nicht weiter! Sorry lieber Inka Gott.

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3 Responses to Isla del Dinero – Abzocke in Bolivien

  1. Strandläufer says:

    Hurra, ein Lebenszeichen von euch beiden. Trotz aller Abzocke, wer hat ausser euch schon einmal den Titicacasee live
    gesehen und bewundern können? Trotzdem toll, dass ihr kämpft. Wieviel Wert hat ein Boliviano (steht bestimmt im Internet)?

    • michael says:

      Ein Boliviano sind derzeit etwa 0,11 Euro. Es ging auch nicht um die Menge an Geld sondern wie mit den Touristen umgegangen wird und wie sie einfach belogen werden.

      • Seeloewe says:

        Ist die Welt nun böse oder nur anders – und das überall. Mensch könnte so etwas auch anerkennend Geschäftstüchtigkeit nennen, oder?

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