Ihr Kinderlein kommet…. Wer will helfen?

Schon fast 3 Wochen von den vier Wochen Freiwilligenarbeit sind vorbei. Nächste Woche werden definitiv Tränen fließen, denn sowohl ich habe meine Mädls als auch sie mich ins Herz geschlossen.

Aber von Anfang an: Von den vielen Projekten, die man hier in Cuenca machen kann, habe ich mich für “Hogar Miguel Leon” (http://www.hogarmiguelleon.org) entschieden. Hier haben Nonnen einen wunderbaren Ort errichtet: Es besteht aus einem Kinderheim im vorderen Teil und aus einem Hospiz für Senioren im hinteren Teil. Ich arbeite im Kinderheim in der Hausaufgabenbetreuung.

Knapp 30 Mädchen zwischen 4 und 16 leben hier unter einem Dach. Morgens gehen sie zur Schule, dann beginnt um halb drei nach einer kurzen Pause die Hausaufgabenbetreuung. Die Kinder hier haben so viele Hausaufgaben auf, dass sie sich locker drei Stunden damit beschäftigen können und manchmal trotzdem nicht fertig sind. Zudem sind so viele Kinder in der Klasse, dass manchmal keine Zeit bleibt, etwas nochmal zu erklären. Dafür ist die Hausaufgabenhilfe da.

Die Kinder sind bei uns – je nach Alter – in 3 Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat eine Betreuerin, die dann mit den ca. 10 Kindern die Aufgaben löst bzw. ihnen hilft, die Aufgaben zu verstehen. Ich bin bei den Ältesten mit in der Gruppe. Definitiv kann ich nun wieder schriftliches Dividieren und Multiplizieren, habe die 9er und die 11er Probe gelernt (einfach mal googlen), bin englisches Wörterbuch für die Kinder, helfe bei Erdkunde und spanischer Grammatik und manchmal muss man einfach auch nur trösten.

Meine Mädls haben es nicht leicht: Sie sind im Hogar Miguel Leon, weil sie entweder keine Eltern mehr haben oder wegen häuslicher Gewalt aus ihren Familien genommen wurden. Einige sind auch geistig behindert und wurden wahrscheinlich von ihren Familien verstoßen, da dies hier manchmal als Strafe Gottes angesehen wird. Die Nonnen versuchen alles Menschenmögliche, ihnen eine Zuhause zu bieten. Die Betreuerinnen sind fest eingeteilt und sie nennen sie “Mammi”, zweimal pro Woche gibt es nachmittags einen Art Tanzkurs (sehr modern: Hip Hop und sexy Hüften schwingen) für alle und eine Psychologin bespricht mit den Kindern ihre Sorgen und Ängste. Alles, was sie brauchen, wird besorgt, egal, wie viele Geldsorgen herrschen. Der minimale Betrag beispielsweise für die Schulbücher pro Kind pro Jahr beträgt beispielsweise 50 Dollar! Das ist hier in Ecuador sehr sehr viel Geld. Zum Vergleich: Der Mindestlohn beträgt hier 200 Dollar.

Gelegentlich herrscht eine große Rivalität um Liebe. Beim Arbeiten merke ich manchmal sehr, dass die anderen schnell eifersüchtig werden, wenn ich zu lange bei einem Mädchen sitze. Man muss seine Zeit gut einteilen, um allen gerecht zu werden. Da ist es auch egal, dass ein Mädchen gar keine Hilfe braucht. Sie möchte einfach nur, dass man auch mal bei ihr eine Weile sitzt.

Es fließen oft Tränen, wenn mal wieder zu viele Hausaufgaben auf sind und der Druck zu groß wird. Oder einfach nur, weil sie die Welt ungerecht finden. Jeden Abend müssen die Betreuerin oder ich die Hausaufgaben gegenzeichnen als Beweis für den Lehrer, dass sie diese selbst gemacht und nicht abgeschrieben haben. Am nächsten Tag bekommen sie Punkte pro Aufgabe. Für falsche oder nicht gemachte gibt es Minuspunkte. Auch für Klassenarbeiten, Heftführung usw. gibt es Punkte, so dass sich nach Abschluss des Trimesters dann eine Endnote ergibt. Die Kinder stehen also unter täglichem Druck, Erfolg zu haben. Ich habe versucht, ihnen diesen Druck ein wenig zu nehmen und bringe Materialien mit, die auf spielerische Weise ihren Unterrichtsstoff vermitteln. Nun haben sie beispielsweise ein Multiplikations- und Divisions-Dominospiel und ich habe ein Puzzle umfunktioniert: Auf den Teilen stehen die Matheaufgaben und auf dem Brett die Lösungen. Mal schauen, was man noch so machen kann.

Zudem haben die Mädchen vor dem Waisenhaus entweder eine andere Schule besucht (meist auf dem Land, wo es weniger Anforderungen gibt) oder sie waren gar nicht in der Schule. Sie haben es dann hier in der Stadt umso schwerer, mit den Gleichaltrigen Schritt zu halten. Neulich hab ich beispielsweise festgestellt, dass die eine 13-Jährige kaum zwei Wörter lesen und schreiben kann. Wir lesen ihr die Aufgaben aus dem Buch vor und wenn sie Sätze schreiben muss, schreib ich sie ihr vor.

Nichtsdestotrotz ist es ein Ort mit viel Liebe und Sonnenschein. Es wird viel gelacht und geschwerzt und die Mädchen achten gegenseitig auf sich. Trotzdem bin ich der Meinung, dass “Hogar Miguel Leon” noch ein wenig mehr Sonne vertragen könnte. Ich danke allen, die fleißig gespendet haben. Insgesamt sind 515,00 Euro (671,14 US$) zusammen gekommen. Ein Teil haben wir in die Farbe für die Klassenzimmer investiert, der Rest wird bar übergeben!

 

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3 Responses to Ihr Kinderlein kommet…. Wer will helfen?

  1. Helga says:

    Hallo ihr Lieben, wir haben leider erst heute Eikes Bericht über ihren tollen Einsatz bei den Kindern gelesen und wollen mit einer Spende helfen. Wir überweisen noch heute 100 Dollar auf das angegebene Konto. Vieleicht können damit ein paar Tränen getrocknet werden.Weiterhin viel Kraft und alles Gute

  2. Strandläufer says:

    Schon beim Lesen rollten die Tränen. Leider Computer wie so oft zu spät angestellt. Vielleicht arbeitet die Bank etwas schneller. Heute zeigt der Kalender ja erst den 30.09. Die Überweisung soll halb und halb, also nachträglich 31.Geburtstag sowie Schulbücher für die Mädchen sein. Vielleicht lesen ja noch einige mehr so spät den Aufruf und spurten wie ich schnell zur Bank (hoffentlich).Viel Glück.

  3. Seelöwe says:

    Ey, Käpt`n!!
    Ja, ihr Seeantilopen, Landratten und Heulbojen, dann gibt`s ja nur eins.

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