Großstadtluft in Quito

Die Großstadt hat uns wieder und wir befinden uns voller Tatendrang in Quito. Begrüßt wurden wir herzlich mit warmen Essen von Pame und Mario, unseren ersten Couchsurfing-Hosts. Hier verbrachten wir zwei Nächte bevor wir nun im Hostel sind, da die beiden verreisten.


Quito ist wunderbar – eine herliche Altstadt mit imposanten Gebäuden auf der einen Seite, einem neuen Viertel (das Mariscal) mit Bars auf der anderen Seite. Drumherum Berge und Vulkane. Die Höhe von über 3.000 Metern haben wir erstaunlich gut verkraftet, vielleicht weil wir in Peru schon mal auf diesen Höhen waren. Außerdem freuen wir uns mal wieder kulturell etwas geboten zu bekommen. Im Centro Cultural Metropolitano beispielsweise haben wir eine Wahnsinns-Fotoausstellung besucht (umsonst) mit Impressionen aus Ecuador.

Leider muss man hier höllisch aufpassen auf seine Sachen, jeder warnte uns vor Taschendieben und gemeinen Taxifahrern. So nimmt man halt nichts bis wenig mit. Das entlastet auch. Unser erster Stadtrundgang endete übrigens gleich mit einem Klassiker. Jedes Reisebuch hat uns vor dem “Senftrick” gewarnt und wir habens hautnah erlebt. Wir standen an einer Fahrradstation, die hier gerade überall installiert werden und waren dementsprechend ins Gespräch vertieft. Hinter uns hampelte ein ungeduldiger Mann auf und ab mit tausend Fragen zu den Rädern. Plötzlich zog er mich beiseite und zeigte mir, dass Micha Senf auf seiner Hose hat. Natürlich fragte er, ob wir Hilfe bräuchten, ein Ablenkungsmanöver. Ich sagte ihm nur wüst “Nein” und er darauf “Du hast auch was an dem Rock”. Tja, ich war aber schon im Barcelona Survival Camp und dementsprechend haben wir immer alle Taschen fest im Griff. Die Gang zog weiter und wir waren sauer, denn der Senf ging nicht so recht ab und roch streng. Unseren Sieg feierten wir dann aber später mit einem selbstgekochten Mahl: Senfeier mit Spinat! Lecker! Ein Ei brauch übrigens rund zehn Minuten auf dieser Höhe bis es hart gekocht ist. In diesem Sinne einen Dank an die Website: www.eirechner.de

In Quito sind zurzeit viele Feierlichkeiten anlässlich des Unabhängigkeitstages am 10. August. Gestern beispielsweise waren wir im Teatro Nacional Sucre, das es schon seit 1887 gibt. Hier gab es erst auf dem Vorplatz ein Konzert und dann durften die ersten 600 in der Schlange (wir waren Nr. 3 und 4) ins Theater, wo ausgewählte Szenen von “West Side Story” gezeigt wurden. Danach ging es in die Calle Ronda (wir haben es gewagt ein Paar Blocks zu gehen trotz diverser Warnungen bloß nicht 3 Blocks ohne Taxi zu nehmen, denn überall war Polizei). Auf dem Weg dorthin waren immer wieder an jeder Ecke Bühnen und Stände aufgebaut, die ganze Stadt war auf den Beinen. Die Calle Ronda ist wirklich bezaubernd und wir haben endlich mal gutes Essen gefunden: Locro de Papas (Kartoffelsuppe mit Käse und Avocado), Empanadas de Viento (mit Käse) und Canelazo in vielen Geschmacksrichtungen (der Glühwein Ecuadors, bitte nachschlagen). Micha hat sich noch an heißer Schokolade mit Käse drin probiert, auch eine Spezialität von hier. Der Tag endetet mit einem schönen Feuerwerk am Plaza Grande. Schön war für uns, dass vorher noch die ecuadorianische Hymne gespielt wurde. Sehr feierlich.

Auf den heutigen Sonntag hatten wir uns schon lange gefreut, denn jeden Sonntag werden einige Straßen von 8 bis 14 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Mit gemieteten Rädern gings dann quer durch Quito. Es waren viele Quiteños unterwegs, Touristen haben dieses Angebot kaum genutzt. Schade, mit dem Rad geht es wirklich schnell und wir kamen an Ecken vorbei, die wir sonst nicht gesehen hatten. Es war aber auch ganz schön anstrengend, weil die Luft hier so dünn zum Atmen ist. Unterwegs lockten aber wieder Stände mit kostenlosem Wasser zum Erfrischen. Unsere Umwelthauptstadt Hamburg könnte sich von diesem Konzept mal ruhig ne Scheibe abschneiden. Quito macht wirklich viel für seine Bürger und um die ausgebauten Fahrradstraßen – auch wenn keine extra Straßen gesperrt sind – können wir die Quiteños wirklich beneiden.

Anschließend waren wir lange im Park “La Carolina”. Auf 64 Hektar befinden sich unter anderem Spielplätze (sogar ein altes Flugzeug wurde als Rutsche umfunktioniert), Tennis-, Basketball-, Fussball- und Volleyballplätze (richtig viele!), ein botanischer Garten, ein See zum Bootfahren und jede Menge Grünflächen. Und das beste: die Verkäufer. Wir haben königlich gespeist. Ceviche de chochos zum Beispiel, frische Mango, Quesadilla (hier ist es ein Kuchen statt eine Tortilla mit Käse) und frisch geraspelte Eissplitter mit Zuckerzeugs.

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