FREIHEIT: Gesamtfazit

Ich wollte gar nichts finden und gar nichts machen, nicht einmal mein Glück. Ich weiß es auch nicht so genau, aber ich glaube, diese Einstellung heißt Freiheit.

Daniel Dubbe

 

RÜCKBLICK

Dieser Satz beschreibt unsere Weltreise sehr passend, denn so eine Auszeit muss ja nicht immer einen tieferen Sinn haben. Wir wollten die Welt sehen und fanden diesen Zeitpunkt mehr als passend. Mit genug Berufserfahrung und Geld konnten wir unbeschwert von unserem alten Leben loslassen und ohne Haus und Kinder lässt sich so eine Unternehmung sorgloser genießen. FREIHEIT also.

Wir reisten ein Jahr durch die unsere Wunschländer. Welches das schönste gewesen ist, ist schwierig zu beantworten. Sicherlich hatten wir Vorlieben wie Myanmar, Neuseeland und Ecuador, aber jedes Land war so unterschiedlich, dass ein Vergleich eigentlich unmöglich und auch nicht gerecht ist. Ein Land punktet mit tollem Essen (Indien), das nächste mit liebenswerten Menschen (Myanmar) und wieder ein anderes mit unglaublicher Landschaft (Neuseeland). Nur bei einem sind wir uns sicher: Wir würden wieder in diese Länder fahren und wir würden wieder die Entscheidung für eine solche Weltreise treffen.

Was ist das Tolle an einer solch langen Reise? Wir konnten viel Neues ausprobieren wie zum Beispiel mit Delfinen schwimmen, aus dem Flugzeug springen oder auf der linken Seite Auto fahren. Diese Freiheit vermittelt einem das Gefühl, man kann alles machen und schaffen – viel mehr als zu Hause in seiner gewohnten Umgebung. Wir hatten auch die Freiheit, mal Nein zu sagen zu dem 1000. Tempel oder einer hochgelobten Stadt oder Region. Im Urlaub hätte man ständig das Gefühl, etwas zu verpassen. Beim Reisen setzt man sich viel intensiver mit den Ländern, Leuten, Sitten und Bräuchen auseinander. Es ist Belohnung genug, mit seiner dreckigen Teetasse im Straßengewühl zu sitzen und die Leute zu beobachten. Es gibt keinen Druck. Wenn wir einen Tag länger bleiben wollten, machten wir dies. Wenn wir spontan in ein anderes Land wollten, wie Laos, stiegen wir in den Flieger. Fast alles war möglich!

Manchmal waren aber auch wir müde. Müde vom Organisieren der nächsten Unterkunft, müde vom ständigen Verhandeln über Preise, müde vom Herumreisen. Geholfen haben uns dabei zum Beispiel der längere Aufenthalt in Cuenca (Ecuador), und gelegentliche Pausen in Hostels vorm Fernseher. Manchmal muss man einfach in Ruhe abschalten können, denn jeden Tag etwas Neues sehen zerrt an den Kräften.

Gelegentlich haben wir uns nach Struktur und Ordnung gesehnt. Ihr glaubt gar nicht, welchen Spaß es uns gemacht hat in Ecuador und in Neuseeland zu arbeiten und endlich mal wieder einen festen Tagesablauf zu haben. Auch das Kochen haben wir sehr genossen und – wer hätte das geglaubt – sogar das Putzen haben wir vermisst.

Wir haben auf dem Weg viele Leute getroffen, die auch auf Weltreise waren. Gerade in Südamerika schien es uns, als ob die halbe Welt einen ähnlichen Trip macht. Vom Pärchen, dass das zweite Mal bereits auf Weltreise war bis hin zur 4-köpfigen Familie, die zwischen Anden und Dschungel ihre Kinder selbst unterrichtet. Und natürlich haben wir viele Einheimische getroffen, die uns herzlich aufgenommen haben. Oft haben wir uns entschieden, den Leuten nicht zu sagen, dass wir auf Weltreise sind. Wir wussten nicht, ob sie dies verstehen können – gerade mit dem Hintergrund, dass wir viel in armen Ländern waren und die Menschen das Wort Urlaub noch nie gehört haben.

Bei unserer Rückkehr (und auch schon davor) haben wir uns auf deutsches Essen gefreut, zum Beispiel auf Brot mit Kruste und auf richtigen Käse. So ganz verlernt der Magen also die heimischen Vorlieben nicht, auch wenn wir weltweit wirklich nicht verhungert sind und sehr sehr lecker gegessen haben. Essen ist sowieso eines unserer Sachen, die es in jedem Reiseland sofort zu erkunden galt, uns also sehr wichtig war, denn Kultur spiegelt sich häufig im Essen wieder. Dies fängt bei den Zutaten an und endet bei den Tischmanieren. Kein Wunder also, dass einer unserer Lieblingsaufenthaltsorte in jedem Land der Supermarkt oder Markt war. Alles musste getestet werden. Zurück nach Deutschland kommen wir mit vielen Ideen für den heimischen Herd.

Jetzt sind wir wieder in Deutschland. Wir sind glücklich darüber, dass wir unser Jahr in der Welt so verbringen konnten, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir sind gesund, wir hatten keine Unfälle, haben noch alle sieben Sachen beisammen, wurden nicht beklaut, haben nichts Wichtiges verloren und sind nach 355 Tagen aufeinander hängen weiterhin glücklich zusammen. Wir sind froh und fühlen uns bestätigt über die Entscheidung, diese Reise gemacht zu haben. Diese Erfahrungen kann uns keiner mehr nehmen.

AUSBLICK

Und nun? Kommt nun das große Loch? So ganz viel Zeit hatten wir noch nicht zum Ankommen. Dies liegt bestimmt auch daran, dass wir noch nicht ganz zu Hause sind. In unsere Wohnung können wir erst Anfang Juli. Im Moment fühlen wir uns wohl hier, freuen uns über die wahnsinnige Auswahl an Kleidung, die wir haben und an der Freiheit zu kochen und den Luxus, jeden Tag zu wissen, wo man schläft. Es kann natürlich sein, dass uns dies nach einiger Zeit langweilig wird, das wird die Zukunft zeigen. Noch ist aber jeder Tag ein Abenteuer. Es gilt viele liebe Menschen wieder in die Arme zu schließen, mehr über euer Leben hier zu erfahren, und endlich wieder eine Struktur und einen Alltag aufzubauen. Denn dies sind zwei Dinge, nach denen wir uns unterwegs gesehnt haben.

Zugleich gilt es, seine Rolle wieder zu finden bzw. neu zu definieren. Da stehen wir nun als Eike und Michael, aber natürlich haben wir uns verändert. Wir sind gespannt, ob wir unsere neuen und alten Ichs verbinden können, ob ihr es zulasst, dass wir andere Wege einschlagen möchten und ob es uns gelingt, neu Gelerntes mit in den Alltag zu integrieren. Aber wir freuen uns darauf mindestens so sehr wie vor einem Jahr auf unsere Weltreise!

Wir haben viel gesehen von der Welt. Ihr und wir könnt euch glücklich schätzen, hier in Deutschland zu leben. Es gibt 24 Stunden Strom und heißes Wasser, es gibt geregelte Fahrzeiten, Essen und Trinken ist in Hülle und Fülle vorhanden und der Staat sorgt für seine Bürger. Was wir aber hier vermissen? Ein wenig mehr Gelassenheit, wenn etwas einmal nicht so funktioniert, wie es soll. Keine Wutausbrüche, wenn die Bahn ein wenig Verspätung hat. Und das Wichtigste: Mehr Lebensfreude. Uns allen geht es gut hier, aber viele Menschen in der Welt mit viel weniger oder auch nichts scheinen zufriedener und offener als wir. Also, auf die Tür und ein MOIN MUNDO Lächeln aufgesetzt! Und wenn ihr mal einen Touristen mit einer Stadtkarte in der Hand seht, haltet ruhig mal an und fragt, ob er Hilfe braucht. Oder ladet ihn oder sie gleich auf einen Tee ein. Es könnte ein Weltreisender sein wie wir, der Hilfe braucht und jede Menge zu erzählen hat!

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2 Responses to FREIHEIT: Gesamtfazit

  1. Louise says:

    Es heißt:
    “Wenn eine bzw. einer eine Reise “tut”,
    dann kann er …”
    Aber:
    Er bzw. sie kann nicht nur erzählen,
    sondern auch schweigen.
    Gibt es etwas, was ihr nicht mitteilen wollt oder könnt?
    Bitte keine Antwort.

    P. S.
    Ich freue mich, wieder bei bzw. mit euch leben zu dürfen.

  2. Eliane & Fabian says:

    Moin Mundo-Viajadores!

    Mit Spannung haben wir euren Fazit-Beitrag gelesen. Genau so ist es! Auch wir sehnen uns nach 16 Monaten Reise langsam nach Struktur und Arbeit. Aber ein paar Wochen wollen wir noch weiterreisen, weiterentdecken und weiterkommen.
    Das Gute hier in Alaska: Wir haben unser Bett immer dabei und ueber Preise kann man schon gar nicht verhandeln.
    Wir wuenschen euch einen guten Start in der Heimat, ein bisschen Heimweh nach der Ferne und kommt uns doch mal besuchen, wenn wir wieder eine Wohnung haben. In der Schweiz laesst sich auch nicht ueber Preise verhandeln, das Essen ist lecker, die Supermaerkte sind spannend und ein Foto vom Bett koennten wir euch vorab zusenden ;)

    Liebe Gruesse aus Fairbanks, Alaska
    Fabian & Eliane

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