Fremdschämen in Vang Vieng

Die armen 25.000 Einwohner Vang Viengs sind von der Touristenwelle überrollt worden. Irgendwie haben verschiedene Traveller entschlossen, dass dieses verschlafene Städtchen perfekt ist für ihre Invasion.

Ausgelassener Drogen- und Alkohokonsum und laute Musik prägen die Szene. Am beliebtesten ist das Tubing: Stundenlang in einem Gummireifen mit Alkohol den Fluss hinab treiben lassen und dabei an einer der unzähligen Bars anhalten. Dort wird man noch mehr abgefüllt, bevor es die Stromschnelle weiter hinab geht. Das Resultat: 22 Tote in 2011 und 6 bis Mitte 2012, bis die Regierung beschloss einzugreifen.

Nun ist Vang Vieng ein Städtchen mit 22 Flussbars weniger, die Touristen sollen Schwimmwesten beim Tubing tragen. Daran halten sich zwar kaum Touranbieter und Touristen, aber ohne die Bars fehlt immerhin der Nachschub auf der rund vier Stunden langen Tubing-Strecke in praller Sonne.

Was wir hier machen? Zum einen hatten wir keine Lust auf 11 Stunden Busfahrt nach Luang Prabang und zum anderen ist die Landschaft in Vang Vieng am Nam Song Fluss atemberaubend schön. Dies liegt an der Karst-Bergen. Also auf ins Getümmel.

Von Laos bleibt in der Stadt nicht mehr viel übrig. Alles ist perfekt auf die junge Traveller Szene zugeschnitten. Burger und Milchshake werden zu günstigen Preisen in den unzähligen Restaurants serviert. Die Auswahl beim fast identischen Angebot trifft man nach TV-Angebot: Jedes Lokal hat in Dauerschleife eine amerikanische Serie laufen – lieber Friends oder Southpark gefaellig?

Wir mieteten uns einen Motorroller (spottbillig für 4 Euro am Tag) und erkundeten die Karst-Landschaft und die verschiedenen Höhlen in der Umgebung. Fremdschämen Nr. 1 begann an einer Lagune, die an einer Höhle angrenzte. In Asien und vor allem in Laos herrschen strenge Normen und Regeln. Einige davon findet ihr in unserem Artikel “Regeln in Laos“. Schnell nachlesen, dann wisst ihr, warum wir uns an den in Bikini rumlaufenden Mädchen störten, die auch noch in diesem Aufzug Volleyball spielten (vor den Dorfbewohnern).

Das Fremdschämen ging leider weiter am Abend als ein voll mit Drogen zugedröhnter Tourist nicht nur laut durchs Restaurant schrie, sondern auch noch die kleine Tochter des Besitzers im Vorbeigehen einfach hochriss und kopfüber festhielt. An dieser Stelle haben wir uns einfach mal bei ihm offiziell für die Touristen entschuldigt.

Der Tubing-Tourismus hat Vang Vieng und seinen Bewohnern in der Vergangenheit sehr viel Geld und Arbeit beschert. Dass der Tourismus Vang Vieng kulturell nicht gut steht, konnten wir live erleben. Das Problem ist nur leider, dass die Regierung mit der Schließung der Bars nur ein Teil der Probleme gelöst hat. Mit weniger Touristen müssen über kurz oder lang sicher einige der vielen Hostels, Restaurants und Agenturen schließen. Was sollen die ohnehin sehr armen Menschen dann machen? Oder sie senken ihre schon sehr niedrigen Preise noch weiter und ertragen weiterhin Touristen ohne Sinn und Verstand? Oder schaffen sie es, wieder ein Stück laotischer zu werden? Für die wunderbaren Menschen dort kann man es nur hoffen.

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