Unser Fazit für Down Under

Die lieben Eltern denken bestimmt, mit Australien sind wir nun endlich in einem sicheren Land, immerhin ist es zivilisiert und so modern. Dabei gibt es wohl kaum ein gefährlicheres Land, in das man sich begeben kann, wenn man die Tierwelt und Naturkatastrophen betrachtet.

Neben den ganzen giftigen Tieren drohen außerdem noch Buschbrände, die bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell sein können (da schläft man beruhigt in knochentrockenen Nationalparks), Überschwemmungen und Hitzewellen. Diesen aktuell stattfindenden Naturphänomenen sind wir aber gut entkommen. Und wenn man ins Meer springt, kann ja immer noch ein Hai vorbei kommen. Gut, dass es häufig eingezäunte Meerwasserschwimmbecken gab.

Nichtsdestotrotz hieß es in Down Under: Sonnenschein und Gute Laune. Die Menschen sind offen, herzlich und lustig. Meist wurde man nicht nur mit dem australisch typischen “G-Day” begrüßt, sondern auch gleich mit Fragen bombadiert, woher man kommt, was man schon gesehen hat und am Ende geht man mit einem Lächeln aus dem Gespräch heraus und jeder Menge guter Tipps für die Reise.

Das Fortbewegen war einfach, aber auch mühsam, was vor allem an den Distanzen lag. 3.700 Kilometer von Nord nach Süd und fast 4.000 Kilometer von Ost nach West, dazwischen viel unbewohntes Land und drei Zeitzonen. Da muss man erstmal durch. Wir hatten uns für die Ost-West-Route entschieden und nutzten einen Mix aus Mietwagen und Flugzeug. Vor allem die Relocation Angebote waren hier in Australien großartig. So kamen wir mit tollen Mietautos für wenig Geld durchs Land und Tankgeld gab es meistens obenauf. Apropo Tanken: In Australien war Diesel das erste Mal teurer als Benzin, genau dann als wir das erste Mal Diesel tanken mussten. Und: Auf einsamen Straßen kommt im Schnitt alle 247 Kilometer ein Roadhouse mit Tankstelle, wahre Outdoor- und vor allem Outbackautos haben also meist zwei Tanks, wie beispielsweise unser erster Jeep (mit zwei 90 Liter Tanks). Gut, dass auch hier die Rabattkultur groß geschrieben wird. Beim Einkauf im Supermarkt bekommt man ab 30 Dollar Einkaufswert immerhin 8 Cent pro Liter Rabatt beim nächsten Tanken.

Vor allem für die Beobachtung der heimischen Tierwelt war das Auto die beste Lösung. So konnten wir im Wilson Promontory Park Kängurus in freier Wildbahn beobachten und auf der Great Ocean Road süße Koalas sehen. Auch zwei Emus liefen uns mal über den Weg. Die Natur haben wir sehr genossen. Wer einmal den wahnsinnigen Duft von Eukalyptusbäumen (Australien hat mehrere hundert Arten) eingeatmet hat, kommt davon nicht mehr los. Wir wollen auch welche in Deutschland einführen!

Andere Bäume, die wir toll fanden:
- Der Karri Baum, der sich einmal im Jahr selbst schält und dabei wahnsinnig tolle Farben hervorzaubert.
- Red Tingle Tree: Der weltgrößte Eukalyptusbaum wird bis zu 70 Meter hoch und 400 Jahre alt. Pilzbefall oder Feuer können ihn von innen aushöhlen. Der Baum kann sich übrigens selbst löschen und über mehrere Wochen von innen brennen. Wie genau das funktioniert, haben wir  noch nicht ganz verstanden, aber wir werden es noch mal nachlesen.

Beim Autofahren und Fliegen überquerten wir einige Bundesgrenzen. Interessanterweise darf man Obst und Gemüse nicht von einem Bundesland ins andere bringen und auch landwirtschaftliche Maschinen können die magische Grenze nicht überqueren.

In Down Under gibt es eine Art Autoatlas in dem auch Campingplätze eingezeichnet sind. Weil wir diesen nicht für 50 Dollar kaufen wollten, schrieben wir die für uns in Frage kommenden Plätze in der Bücherei heraus, denn darin sollen auch viele Umsonst-Plätze verzeichnet sein. Unterschieden wird zwischen Rastplätzen für tagsüber und nachts. Komischerweise hatten die meisten Tagesplätze Toiletten und die für nachts keine. Daher suchten wir uns häufiger als wir wollten einen kommerziellen Übernachtsungsplatz. Ob alle anderen wohl immer eine Schaufel dabei haben?

In allen Städten freuten wir uns über kostenlose  Busse und Strassenbahnen im zentralen Innenstadtbereich. Eine sehr gute Idee, vor allem um die Autos im Zentrum zu reduzieren und toll für unser Traveller-Portmonee. Vielleicht wäre dies etwas für Hamburg? Gewundert haben wir uns hingegen über die leeren Einkaufsstraßen am Abend und am Wochenende. Deutschland ist dagegen revolutionär mit seinen Öffnungszeiten. Aus Neuseeland waren wir ganz anderes gewohnt, hier machten die Läden um 18 Uhr zu. Das kulturelle Angebot war in den Städten beeindruckend. Neben Kino, Theater, Oper hat uns das Angebot an meist kostenlosen Festivals mit Musik, Theater, Tanz und Kunst überrascht. Wir genossen vor allem das Fringe Festival in Adelaide.

Wenn ihr euch übrigens fragt, was die Australier essen: Keine Ahnung. Wir haben immer selbst gekocht (Restaurant oder Imbiss waren einfach horrend teuer), aber viel von Neuseeland (Pies, Fish & Chips) hat sich das Bild nicht unterschieden. Auffällig war die große Anzahl an Fast-Food-Restaurants. Ein Wahnsinn waren die Bananenpreise. Bis zu 6 Dollar für ein Kilo (4,70 Euro). Sonst waren die Preise im Supermarkt aber durchaus verträglich. Vorher hatten wir nämlich von anderen Reisenden Horrorgeschichten dazu gehört. Insbesondere der ALDI war ein Schnäppchen-Paradies. Aufgefallen sind uns noch die wahnsinnig vielen Fast Food Ketten, so viele hatten wir lange nicht gesehen. Interessant: Burger King gibt es hier aufgrund einer anderen eingetragenen Marke nicht, so heißen die Filialen halt Hungry Jack’s.

Etwas, was leider auf unserer Reise zu kurz gekommen ist, ist die Geschichte der Aborigines. Vor allem nach dem Buch “Traumfänger” von Marlo Morgan (bitte jetzt kaufen, wer es noch nicht gelesen hat), wollte ich mehr darüber erfahren. Bis auf ein, zwei Aborigines in den Einkaufszentren, die mit Digeridoo spielen, etwas Geld verdienen, haben wir keine gesehen. Ob es stimmt, was Bill Bryson sagte, dass die Aborigines hier unsichtbar sind? Wenn man dem bisher gehörten aber Glauben schenken darf, sind sie keine zu 100 Prozent anerkannten Gesellschaftsmitglieder, zumindest nicht in den Köpfen der Menschen. Auch wenn die Regierung vielleicht jetzt mehr Einsatz zeigt, scheinen immer noch Welten zu liegen zwischen den Aborigines und den “Weissen”. Und: Wenn die Regierung es wirklich Ernst meint, warum wird ein heiliger Ort wie der Uluru nicht sofort für Touristen gesperrt, sondern zieht sich dieser Übergang über 99 Jahre hin? Aber dieses Kapitel müssen wir uns für die nächste Australien Reise oder den nächsten Büchereibesuch aufsparen.

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One Response to Unser Fazit für Down Under

  1. Karl Auer says:

    Auf nach Lump Ur!
    Sorry, war nur ein Kalaua.
    Sorry, Kuala.

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