Aufgeheiztes Buenos Aires

Auf einer Argentinien Reise darf die Hauptstadt Buenos Aires nicht fehlen. Den Grund für die Namensgebung der Stadt (der “gute Wind” bzw. die gute Luft bei Einfahrt in den Hafen) haben wir leider nicht kennenlernen dürfen. Bei über 30 Grad begann unser Stadtbesichtigungsprogramm, um zumindest einen Teil der 48 Stadtteile zu erkunden.

So schlenderten wir los mit Sonnencreme und ausreichend Wasser bewaffnet durch die rund 200 Quadratkilometer große Stadt. In der Tat ist sie viel größer, immerhin wohnen hier auch rund 1/3 aller Argentinier. Das Stadtviertel “La Boca” begrüßte uns mit bunten Häusern, “San Telmo” mit regem Markttreiben (zu vergleichen mit dem Schanzenviertel), “Recoleta” mit einem wunderschönen Friedhof und “Palermo” (gleicht Berlin Mitte) mit hippen Shops. Gesehen haben wir natürlich noch viel mehr, aber bevor wir euch alles aufschreiben und fotografieren, kommt lieber selbst her. Allzuviel Heimweh werdet ihr nämlich nicht haben: Buenos Aires sieht aus wie aus Europa importiert mit imposanten Gebäuden. Man hat das Gefühl durch Paris, Madrid oder Lissabon zu schlendern und das neue Hafenviertel sieht fast exakt so aus wie die Hamburger Hafen City. Hier scheinen sich die Hamburger Architekten einiges abgeguckt zu haben.

Die Stadt ist so schick, dass die Unesco sie 2005 sogar mit dem Titel “Stadt des Designs” ausgezeichnet hat. Damals wusste die Unesco wohl noch nichts von der Hundescheiße, die überall rumliegt. Dies und der Müll – die Müllabfuhr streikte gerade, als wir da waren – waren die einzigen Sachen, die uns etwas gestört haben. Ansonsten haben wir die Großstadtluft genossen und die gute argentinische Küche samt Grillabend. Auch bei einem Pferderennen waren wir. Großartige Stimmung, wenn die alten Männer kurz vor der Ziellinie anfangen zu schreien. Ich versuchte mein Glück ohne Rücksicht auf Gewinnquoten oder Wissen über Pferd und Jockey. Im ersten Lauf setzte ich auf Pferd Nummer 7 – leider ohne Erfolg. Beim zweiten Versuch setzte sich das von mir getippte Pferd Nummer 3 (“Old Slack” hiess mein Pferd) durch und brachte mir 23,25 Pesos ein (bei 5 Pesos Einsatz – die Quote war leider nicht so gut). Das Siegergefühl blieb aber und schließlich muss man während eines solchen Jahres alles mal ausprobiert haben.

Empfehlen können wir die Free Walking Tours durch die Stadt. Mit ihnen bekommt man einen schnellen Überblick von der Stadt und von seinen Einwohnern – den Porteños. So lernten wir, dass die Porteños denken, Argentinien hat überall die Nase vorn: Beste Fußballspieler, bestes Fleisch, breiteste Straße,… alles wird schön geredet.

Außerdem ist die Stadt sehr politisch aufgeheizt: Pro Tag gibt es 2-3 Demonstrationen – über alles und jede Sache wird sich öffentlich beschwert (auch das können die Argentinier am besten). Am beeindruckendsten und bewegendsten war die Demonstration der “Madres de Plaza de Mayo”. Sie erinnern noch immer an ihre während der Militär-Diktatur verschwundenen “Kinder”. Über 30.000 Menschen verschwanden spurlos. Damals galt ein Versammlungsverbot (mehr als drei Leute auf einer Stelle war eine Versammlung). Die Mütter trennten sich daher in 3er Gruppen auf und liefen um den Platz vor dem Regierungsgebäude. Auf diese Weise verstießen sie gegen kein Gesetz. Um auf stille Weise an ihre Kinder zu erinnern, trugen sie alte Stoffwindeln als Kopftuch – auch heute noch ihr Erkennungszeichen. Inzwischen sind sie sehr professionell organisiert. Es war sehr emotional den Protestmarsch, den sie seit 35 Jahren machen, zu sehen und die Namen vieler zu hören, die “vermisst” werden. Ein Kapitel, mit dem Argentinien noch lange zu kämpfen haben wird.

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