Almosen-Zeremonie: Ein kritischer Blick

An einem Morgen in Luang Prabang schafften wir es , um kurz nach 5 Uhr für die allmorgendliche Almosen-Zeremonie der Mönche aufzustehen. Gegen 6 Uhr beginnen die Mönche der verschiedenen Tempel barfuß und still durch die Straßen zu ziehen.

Die Einheimischen warten bereits mit frisch gekochtem “Sticky Rice” auf sie und geben jedem ein wenig davon in seinen mitgebrachten Gabentopf. Sie teilen also etwas Weltliches und erhalten dafuer spirituellen Frieden. Diese wunderschöne Zeremonie haben Touristen und Touranbieter für sich entdeckt. Nun ist es inzwischen so schlimm, dass viele Einwohner statt den Reis zu verteilen diesen lieber gewinnbringend an Touristen verkaufen. Diese stellen sich dann auf die von Agenturen reservierten Plätze (meist überdacht und mit Teppich ausgelegt). Und dann beginnt das große Verteilen und das Fremdschämen. Zum einen sind die meisten Touristen vollkommen unpassend gekleidet (in Shorts beispielsweise), zum anderen sitzen sie nicht (man darf nicht höher stehen als der Mönch und ihm auch nicht in die Augen schauen). Des Weiteren beginnt das Blitzlichtgewitter, wenn sich die Mönche nähern (die eigentlich andächtig während ihres Ganges meditieren). Ganz schlimm sind die Agenturen, die Fotos machen, während “ihr” Tourist die Spende übergibt oder die Touristen, die mit der Kamera bewaffnet den Mönchen hinterherlaufen und die Linse ins Gesicht halten. Alles wahr, haben wir alles gesehen!

Wir beide haben uns in eine Nebenstraße verzogen und versteckt in einem Treppenhaus der Zeremonie beigewohnt (Fotos gibt es also nicht). Besonders interessant war, dass einige Meter nach den Reis ausgebenden Frauen ein kleines Mädchen mit seinem Korb saß, in das viele Mönche wiederum einen Teil ihrer Spenden an sie weitergaben. Es war aber auch sehr viel Reis in ihren Töpfen – vor allem angesichts der Tatsache, dass die Mönche nach 12 uhr mittags nichts mehr essen sollen. Wir haben uns gedacht, dass sicherlich viel von dem Reis an Arme weitergegeben wird, so wie an das kleine Mädchen.

Übrigens überlegen viele Mönche, die Stadt zu verlassen und nach außerhalb zu ziehen, um diesem Touristenspektakel nicht mehr beizuwohnen. Schade ist auch, dass viele Einheimische nicht mehr an der Zeremonie teilnehmen, da auch sie nicht auf den Fotos sein wollen. Warum die Agenturen hier nicht zumindest nur die Touristen teilhaben lassen, die gewisse Spielregeln einhalten oder die Regierung hier nicht eingreift und die Touren ganz verbietet? Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt.

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